Auf einen Cupcake mit der fabelhaften Fran

Warschauer Straße, Berlin. Nach einer durchtanzten Nacht stehe ich an der U-Bahn Haltestelle und denke an Oliver Koletzkis gleichnamigen Song. Wieder zu Hause ziehe ich sein Album Großstadtmärchen aus der Schublade. Sofort hat es mich wieder Hypnotized. – Was ist eigentlich mit der süßen Fran, die diesen Song gesungen hat? Hier und da habe ich sie im Fernsehen als Werbegesicht gesehen, Ende 2012 erschien ihr erstes, sehr beeindruckendes Soloalbum Frantastic, weitere Songs folgten. Woran arbeitet sie wohl jetzt? Auf meine Mail, ob ich sie für ein Interview treffen könnte, antwortet sie schnell und dann: Wie wäre es mit einem Treffen im Cupcakes in Friedrichshain?


Foto: Mimikry | Berlin // Cupcakes Berlin

Ich bin auf auf einen Kaffee und Vanille Cupcake mit Himbeerbuttercreme eingeladen und sitze Fran Koletzki gegenüber. Nikki, ihr Dackel, wuselt fröhlich durch das kleine Café. Wir sprechen über ihre Musik, Erfahrungen und ihr Leben.
Ihr geht es sehr gut, nur Olli, ihren Mann, vermisst sie sehr. Oliver Koletzki, einer der bekanntesten deutschen Produzenten, DJs und Gründer des Labels Stil vor Talent, tourt gerade für zwei Wochen durch die USA. Als er letztes Jahr dort unterwegs und Fran allein in Deutschland geblieben war, nahm sie ihr Projekt The Totalistic Ark in vielen Nachtsessions auf. Ganz und gar in Eigenregie. Herausgekommen ist eine melancholische, das Zusammenspiel von Mensch und Natur reflektierende EP. Die Texte sind Poesie; eingehüllt in weite, zwischen weichen Drum’n’Bass Tönen und Minimal-Sounds chargierenden Melodien. So lassen die Songs viel Raum für eigene Gedanken und Träumereien. „Man kann es auf jeden Fall als eine Anlehnung an die literarische Romantik sehen“, antwortet mir Fran auf meine Frage danach. „Es ist eine Art von Flucht in die Natur, weg von allem Theoretischen.“ Um die Inhalte ihrer Lieder zu unterstreichen, hat sie selbst für jeden Titel ein Video kreiert. Die EP steht zum freien Download auf Frans Bandcampseite zur Verfügung. Ich war total geflasht. Jedes Video ist irgendwie ein kleines, modernes Kunstwerk.

(Der kleine Spatz ist übrigens gegen eine Fensterscheibe in Frans & Ollis Wohnung geflogen. Er wurde dann beerdigt. Alle anderen Teile der Videos hatte sie über längere Zeit gesammelt.)

Seit den Aufnahmen für The Totalistic Ark im letzten Jahr ist musikalisch bei der gebürtigen Berlinerin viel passiert. Dieses mal nicht allein, sondern mit ihrem Lieblingsproduzenten Oded K.dar. Zusammen haben sie ein Piano-Album aufgenommen. Damit wagt sich die Sängerin in ein neues Genre vor und zeigt eine ganz andere Seite der Fran – Tatsächlich hat sie sich für das im Herbst erscheinende Album ein Alter-Ego zugelegt. Viel mehr kann noch nicht verraten werden, außer: Fast hätte das Album Helmut geheißen. Leider hatte eine andere Band die selbe Idee, weshalb dieser Titel verworfen wurde.

UP IN THE AIR ist allerdings der Name, den wir uns für diesen Sommer merken müssen. Es ist Frans aktuellester Song. Sie hat ihn für Olivers kommendes Album I Am OK eingesungen, jetzt wird er als erste Single daraus veröffentlicht. Dass sie auch für dieses Album wieder zusammenarbeiten würden, daran hatten die beiden Künstler eigentlich nicht gedacht. – Fran hatte immer wieder ein paar Versuche gestartet, auf Songskizzen von Olli zu singen, aber nie hatte es sich richtig angefühlt. Beim letzten, lockeren Versuch hat es dann doch geklappt. „Ich habe eine Regel in meinem Leben: Immer wenn ich mit einer Sache abgeschlossen habe und sage: So, dann mache ich jetzt eben was anderes! klappt das, was ich versucht habe, doch.“ sagt Fran und lacht dabei ganz herzlich. So war es auch mit der Musik. Fran hatte immer gehofft, mit ihrer Musik erfolgreich zu werden, so richtig klappen wollte es aber nicht. Am Ende ihres Psychologiestudiums war sie davon überzeugt, das sie definitiv den Beruf der Psychoanalytikerin ergreifen würde. Doch dann kam „Hypnotized“, der erste Song mit Oliver Koletzki … und dann die <3 zu einander.

Mit ihrem zunehmenden Erfolg entschloss sich die Diplompsychologin nicht mehr in ihrem Beruf zu arbeiten. Die benötigte Distanz zu ihren Patienten wäre auch nicht mehr gegeben gewesen. Allerdings war sie auch verunsichert:„Ich fand es am Anfang schwierig, mich als Künstlerin zu bezeichnen.“, sagt sie. Inzwischen arbeitet sie in einem kleinen Büro in Berlin Mitte zwar nicht als Psychologin, sondern ist beratend für andere Künstler tätig. Sie genießt es, zwischen den beiden Welten zu wechseln. Mal aus der zuweilen oberflächlichen Musikwelt abtauchen oder andersherum, sich als Künstlerin total ausleben zu können. Und das macht sie ganz wunderbar, die super sympathische Fran!

Foto: Frans Website

Achja: Als Kind der Zukunftangst-Generation finde ich es ganz beruhigend, dass auch eine geniale Künstlerin eine Zeit braucht, bis sie ihren Weg gefunden hat … Und sich auch immer wieder neu findet (oder auch finden will und auch muss)

Und jetzt noch ein „Zuckerl“ für alle Braunschweiger: Oliver Koletzki plant ein Festival in unserer Heimat Braunschweig ! Für diesen Sommer! Grandios! Die Koletzkis sind einfach cool.

Kommentare (0)

  1. Morning Show

    Das ist eine Kohlmeise und kein Spatz. Kauf dir nen Naturführer und geh raus, aber zackig. Offline statt Online.

  2. Danke Dir für den Hinweis, Du kleiner Spatz! Super! Ich liebe diese gegenseitig erfrischende Dialogform von Blogs – (Ich habe früher Spatzenkuchen gebacken und mit meiner Tante alle kleinen Vögel, von Kohlmeise, Rotkelchen über den schlichten Spatz gefüttert, dabei musste ich sie alle benennen, vielleicht sollte ich das mal wieder tun, gute Idee – Fotos folgen)

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